03.05.2026/Essay

Die Steuerreform, die wir brauchen, aber niemand will

Söder schreit „Schlag ins Gesicht für die Leistungsträger“, Klingbeil verspricht eine Reform. Beide haben Unrecht. Eine Pflegekraft zahlt mit Arbeitgeberanteil fast 48 Prozent ihrer Arbeitskosten ans System – wer ein großes Vermögen erbt, oft gar nichts. Warum sich seit zwanzig Jahren nichts ändert: acht strukturelle Gründe, vier Reform-Bedingungen, eine Mehrheit, die noch kein Zuhause hat.


Über einen Streit, der nichts erklärt, ein Steuersystem, das Arbeit härter besteuert als Kapital, und acht strukturelle Gründe, warum sich seit zwanzig Jahren nichts ändert.


I. Der Streit, der nichts erklärt

Es ist der zweite Mai 2026. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagt der Süddeutschen Zeitung einen Satz, der seit zwei Tagen die Republik beschäftigt:

„Spitzenverdiener mit sechsstelligen Gehältern müssen hierzu ihren Beitrag leisten.“

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