Was 12 Ökonomen fordern, was die Regierung ignoriert – und ein konkreter Plan
Heute treffen sich Deutschlands Wirtschaftsverbände in München und warnen den Kanzler vor dem „Kipppunkt“. Drei Jahre Stagnation. Versprechen, die nicht eingehalten werden. Aber die Lösungen existieren – und sie kommen aus einer Richtung, die kaum jemand erwartet.
Die Diagnose steht fest
Deutschlands Wirtschaft steckt in der schwersten Krise seit der Wiedervereinigung. Drei Jahre Stagnation – 2023 schrumpfte das BIP um 0,3 Prozent, 2024 erneut leicht im Minus, 2025 minimales Wachstum von unter einem Prozent. BIP-Prognose für 2026: ein Prozent. Herabgesetzt. 41 Prozent der Industrieunternehmen planen Stellenabbau. 94 Milliarden Euro an Netto-Investitionen sind 2023 aus Deutschland abgeflossen (IW Köln) – nach dem Rekord von 132 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Wer spart, steigt auf
Fünf Tage hat die Regierung gebraucht, um nach dem Spahn-Rücktritt ihr Personalpaket zu schnüren. Die Pflegereform derselben Regierung wartet seit Monaten auf einen Kabinettstermin. Was die Rochade über die Prioritäten von Friedrich Merz verrät – und was sie für alle bedeutet, die gerade die Pflege ihrer Eltern organisieren.
→ WeiterlesenUnd heute, am 6. März, treffen sich die Chefs der vier großen Wirtschaftsverbände mit Kanzler Merz in München. Der BDA-Chef sagt: „Die Bundesregierung muss endlich eine Reformagenda auf den Tisch legen, die diesen Namen auch verdient.“ Das sind Merz’ eigene Leute.
Aber hier wird es interessant. Denn ich habe für diesen Essay etwas getan, was in der deutschen Debatte selten passiert: Ich habe die Positionen von zwölf der einflussreichsten Ökonomen des Landes nebeneinandergelegt. Von links bis rechts. Von Marcel Fratzscher (DIW) bis Clemens Fuest (ifo), von Isabella Weber bis Lars Feld. Dazu die OECD, den IWF und Mario Draghis EU-Wettbewerbsfähigkeitsbericht.
Das Ergebnis hat mich überrascht. Nicht wegen dem, worüber sie streiten – sondern wegen dem, worüber sie sich einig sind.
Der überraschende Konsens: Was Links UND Rechts sagen
Bevor wir über die Unterschiede reden, muss man den Konsens sehen. Denn er ist größer, als die öffentliche Debatte vermuten lässt.
Alle zwölf Ökonomen sind sich einig:
-
Die Krise ist strukturell, nicht konjunkturell. Das ist kein Konjunkturtief, aus dem wir rauskommen, wenn wir abwarten. Das sind Jahrzehnte versäumter Investitionen, verschleppter Digitalisierung und veralteter Strukturen.
-
Deutschland lebt von seiner Substanz. Marcel Fratzscher (DIW) sagt es am deutlichsten: „Deutschland lebt seit 25 Jahren von seiner Substanz. Wir investieren viel zu wenig in Infrastruktur, Bildung und Innovation.“ Jens Südekum zeigt die Zahlen: Die Unternehmensinvestitionsquote ist von 15 Prozent des BIP in den 1990ern auf nur noch 12 Prozent gefallen.
-
Die Welt hat sich verändert – Deutschland nicht. Sebastian Dullien (IMK): „Sowohl die USA als auch China versuchen massiv, die inländische Industrieproduktion hochzuziehen. Das geht auf Kosten der deutschen Industrie.“ Dalia Marin (TU München) nennt es einen neuen „China-Schock“: Chinas Anteil am globalen E-Auto-Markt stieg auf 28 Prozent. Deutschlands Anteil fiel von 7 auf 4 Prozent.
-
Bürokratie frisst Wachstum. Hier sind sich wirklich alle einig – von der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung bis zum arbeitgebernahen IW Köln. Clemens Fuest: Die Bürokratiekosten sind „seit Antritt der Ampel-Regierung gestiegen statt gesunken“. Michael Hüther: „Der bisherige Abbau ist nur angekündigt, nicht realisiert.“
-
Digitale Infrastruktur ist überfällig. Glasfaser-Verfügbarkeit Deutschland: rund 45 Prozent der Haushalte (Ende 2024, BREKO) – aber nur gut 23 Prozent nutzen den Anschluss tatsächlich. China: über 90 Prozent.
Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, fasst es zusammen: „Die vielen strukturellen Probleme im Sozialsystem, die Überbürokratisierung oder der Rückstand bei Künstlicher Intelligenz lassen Deutschlands Wirtschaft auf der Stelle treten.“
Die „Viererbande“: Wie der Konsens entstand
Die bemerkenswerteste Entwicklung der letzten Jahre wird kaum diskutiert. Vier Ökonomen, die eigentlich aus verschiedenen Lagern kommen, haben gemeinsam das 500-Milliarden-Infrastrukturpaket konzipiert:
- Clemens Fuest (ifo) – konservativ, angebotsorientiert
- Michael Hüther (IW Köln) – arbeitgebernah, pragmatisch
- Jens Südekum (Uni Düsseldorf) – keynesianisch, investitionsorientiert
- Moritz Schularick (IfW Kiel) – reformorientiert, marktliberal-pragmatisch
Ein ifo-Chef und ein IW-Chef – beide aus der Arbeitgeberwelt – zusammen mit einem Keynesianer und einem Reformer. Dass die sich auf ein 500-Milliarden-Schuldenpaket einigen konnten, zeigt: Die Diagnose ist so eindeutig, dass sie ideologische Gräben überbrückt.
Südekum drückt es sinngemäß so aus: Auch die schwäbische Hausfrau wird ein kaputtes Dach reparieren lassen – auch wenn sie einen Kredit aufnehmen müsste.
Transparenz-Hinweis
Die „Viererbande“ wird auch kritisiert – vor allem von Lars Feld (Merz-Berater, ordoliberal), der warnt: „Wenn die Schuldenbremse aufgeweicht wird, verliert Deutschland seinen Zinsvorteil.“ Das ist ein legitimer Punkt. Aber er vertritt damit eine Minderheitsposition unter den prominentesten Ökonomen – auch wenn laut ifo-Ökonomenpanel knapp die Hälfte der befragten VWL-Professoren die Schuldenbremse in ihrer jetzigen Form beibehalten will.
Der ehrliche Dissens: Wo es kracht
Der Konsens bei der Diagnose bedeutet nicht, dass alle die gleiche Therapie empfehlen. Hier werden die ideologischen Unterschiede sichtbar – und ich ordne sie ein.
Steuern: Entlasten ODER umverteilen?
Die „Rechte“ Position (Fuest, Feld, Hüther): Unternehmenssteuern senken. Die effektive Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften liegt in Deutschland bei fast 30 Prozent – im internationalen Vergleich viel zu hoch. Fuest will die Körperschaftsteuer senken und die Gewerbesteuer reformieren („ineffizientes System“).
Bias-Check: Fuest leitet das ifo-Institut, das traditionell wirtschaftsliberale Positionen vertritt, aber zunehmend pragmatischer wird. Finanziert wird das ifo durch den Freistaat Bayern und Drittmittel.
Die „Linke“ Position (Fratzscher, Truger, Schnitzer): Vermögen stärker besteuern, Arbeit entlasten. Fratzscher: „Kaum ein anderes Land belastet Arbeit so hoch und Vermögen so niedrig wie Deutschland.“ Truger: „Steuersenkungen sind kontraproduktiv. Deutschland braucht mehr Einnahmen für Investitionen.“
Bias-Check: Fratzscher leitet das DIW, das als eher progressiv gilt. Die Hans-Böckler-Stiftung (Truger) wird von den Gewerkschaften finanziert.
Die Brücke: Hier wird es für mich als Unternehmer interessant. Denn Jens Südekum sagt: beides. Investitionsprämien für Unternehmen UND gerechtere Besteuerung. Und ein Punkt, der in der Debatte untergeht: Alle sind sich einig, dass die Abschreibungsbedingungen verbessert werden müssen. Das klingt technisch, ist aber riesig: Wenn Unternehmen Investitionen schneller abschreiben können, investieren sie mehr. Das kostet den Staat kurzfristig Einnahmen, generiert aber langfristig Wachstum. Das ist ein konkreter Hebel, über den kein ideologischer Streit nötig ist.
Arbeitsmarkt: Flexibilisieren ODER stabilisieren?
Schularick ist hier am radikalsten: Kündigungsschutz lockern für Topverdiener über 100.000 Euro und im öffentlichen Dienst. „Wenn ich als Unternehmen nach einem gescheiterten Projekt eine Gruppe von 20 Entwicklern über Jahre weiterbeschäftigen muss, fange ich mit dem Projekt nicht an.“
Dullien hält dagegen: Arbeitsmarktderegulierung ist empirisch nicht als Lösung belegt. Die Wachstumsschwäche hat andere Ursachen.
Ich finde Schularicks Punkt zur Tech-Branche bedenkenswert – dazu gleich mehr im Digital-Kapitel. Aber pauschale Deregulierung? Die Daten geben das nicht her.
Rente: Die heißeste Kartoffel
Schularick: Rente mit 70. „Weil die Alten vergessen haben, Kinder zu bekommen, ist das System in einer Schieflage.“ Und: „Das Einzige, das in den letzten Jahren mit rund vier Prozent pro Jahr gewachsen ist, sind die Renten.“
Fuest: Rentenpaket stoppen. „Die künstlich erhöhte Haltelinie von 48% führt zu zusätzlichen Belastungen von ungefähr 15 Milliarden Euro pro Jahr.“
Dullien/Böckler: Rentensystem ist stabil, Kürzungsdebatten kontraproduktiv.
Malmendier hat den originellsten Vorschlag: Frühstart-Rente – Kinder vom 6. bis 18. Lebensjahr erhalten 10 Euro pro Monat in ein Altersvorsorgedepot. Kapitaldeckung von Anfang an.
Meine Einordnung: Die Rente ist das Thema, bei dem die ideologischen Gräben am tiefsten sind. Aber eines fällt auf: Niemand – wirklich niemand – sagt, dass das aktuelle System langfristig tragfähig ist. Der Dissens ist über das Wie, nicht über das Ob.
Das blinde Auge: Digitalwirtschaft
Jetzt kommt der Teil, der mich als Unternehmer in der Digitalwirtschaft am meisten umtreibt. Und wo die Debatte am schwächsten ist.
Die Zahlen sind verheerend
| Deutschland | USA | China | |
|---|---|---|---|
| Venture Capital (jährlich) | ~7 Mrd. $ | ~170 Mrd. $ | ~45 Mrd. $ |
| KI-Investitionen (privat) | ~2 Mrd. $ | ~67 Mrd. $ | ~8 Mrd. $ |
| Glasfaser (Verfügbarkeit / Nutzung) | ~45% / ~23% | ~40% | >90% |
Mario Draghi hat es in seinem EU-Bericht auf den Punkt gebracht: „Kein einziges EU-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung über 100 Milliarden Euro wurde in den letzten 50 Jahren neu gegründet. Alle sechs US-Unternehmen mit einer Bewertung über eine Billion Euro sind in diesem Zeitraum entstanden.“
Nur vier der Top-50-Technologieunternehmen weltweit sind europäisch. Keines in den Top 10.
Und es wird schlimmer: 30 Prozent der europäischen Unicorns – also Start-ups mit einer Bewertung über einer Milliarde – haben ihren Sitz in die USA verlegt.
Warum? Die strukturelle VC-Lücke
Südekum beschreibt das Problem präzise: „Im deutschen Venture-Capital-Ökosystem besteht eine strukturelle Lücke: Während Kapital in frühen Finanzierungsrunden häufig verfügbar ist, fehlt es in der Wachstumsphase an ausreichenden inländischen Mitteln.“
Übersetzt: In Deutschland bekommst du Geld, um zu starten. Aber sobald du wachsen willst – Series B, Series C – übernehmen amerikanische Investoren. Und die bringen ihre Logik mit: Skalierung in den USA, Verlagerung des Hauptsitzes, Exit an der NASDAQ.
Ich sehe das in meiner täglichen Arbeit. Deutsche Gründer bauen großartige Produkte. Dann kommt die Wachstumsfinanzierung – und die kommt aus dem Silicon Valley. Mit dem Kapital kommt die Erwartung: Skaliert global, nicht von Berlin aus. Und dann hat Deutschland ein weiteres Unicorn verloren.
Das „Valley of Death“
Das EFI-Gutachten 2026 (Expertenkommission Forschung und Innovation) identifiziert ein weiteres Problem: Deutschland forscht gut, transferiert schlecht. Die Grundlagenforschung an Universitäten und Max-Planck-Instituten ist weltklasse. Aber der Transfer in marktfähige Produkte scheitert regelmäßig – das sogenannte „Valley of Death“ zwischen Labor und Markt.
Draghis Vergleich ist vernichtend: Die Top-3-Forschungsinvestoren in Europa? Automobilindustrie. Seit 20 Jahren. In den USA? Alle drei sind Tech-Unternehmen.
Was getan werden muss – ein konkreter Plan
-
Europäischer VC-Dachfonds. Kapitalmarktunion vollenden, europäisches Kapital für europäische Scale-ups. Draghis Vorschlag – nur umgesetzt werden muss er.
-
Steuerliche Anreize für VC-Investitionen. In Großbritannien gibt es den Enterprise Investment Scheme (EIS) – Steuererleichterungen für Investitionen in Start-ups. Deutschland hat nichts Vergleichbares.
-
Digitale Verwaltung als Standortfaktor. Estland: Unternehmensgründung in 20 Minuten, komplett digital. Deutschland: Wochen, teilweise Monate, mit Gang zum Notar. Das ist kein Technologieproblem, das ist ein Mentalitätsproblem.
-
KI-Strategie mit Substanz. 2 Milliarden Dollar private KI-Investitionen vs. 67 Milliarden in den USA. Das ist nicht aufholbar mit Förderprogrammen. Es braucht eine Kombination aus öffentlicher Forschungsinfrastruktur (Rechenkapazitäten, Datenökonomie) und regulatorischer Klarheit, die Innovation ermöglicht statt verhindert.
-
Arbeitsrecht für die Tech-Branche reformieren. Schularick hat einen Punkt: Wenn ein Start-up nach einem gescheiterten Pivot 20 Entwickler über Jahre weiterbeschäftigen muss, bremst das Innovation. Das heißt nicht: Kündigungsschutz abschaffen. Das heißt: Flexiblere Modelle für die Tech-Branche, verbunden mit starker sozialer Absicherung (dänisches Flexicurity-Modell).
-
Glasfaser. Jetzt. 45 Prozent Verfügbarkeit bei nur 23 Prozent Nutzung – das ist für die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt peinlich. Jeder Euro in Glasfaser ist eine Investition in die Zukunft – und das sagen nicht nur linke Ökonomen.
Was die Regierung tut – und was nicht
Das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro war ein richtiger Schritt. Aber der Sachverständigenrat warnt: Die Mittel ersetzen reguläre Haushaltsmittel, statt sie zu ergänzen. Wenn das Geld tatsächlich zusätzlich investiert wird, könnte der Wachstumseffekt erheblich sein – wird es nur umgeschichtet, verpufft er weitgehend.
Gleichzeitig:
- Die versprochene Stromsteuer-Senkung wurde nicht umgesetzt – „das Geld ist alle“
- Die Solarförderung soll ab 2027 gestrichen werden – während der Mittelstandsbund Erneuerbare fordert
- Das Bürgergeld wurde mit großem Theater reformiert – prognostizierte Einsparung laut BMAS-Gesetzentwurf: 86 Millionen Euro für 2026
- Die Wirtschaftsverbände warnen vor dem „Kipppunkt“
Isabella Weber fasst die Situation sinngemäß zusammen: Wenn Menschen trotz Arbeit Angst haben, sich ihre Grundbedürfnisse nicht leisten zu können, bricht ein gesellschaftlicher Vertrag.
Zehn Forderungen an die Politik
Basierend auf dem, worüber sich die Ökonomen einig sind – und ergänzt um die Digitalwirtschaft:
Sofort (2026)
1. Sondervermögen-Monitoring. Unabhängiges Gremium, das öffentlich kontrolliert, ob SVIK-Mittel zusätzlich investiert oder nur umgeschichtet werden. Transparenz statt Verschiebebahnhof.
2. Abschreibungsbedingungen verbessern. Beschleunigte Abschreibungen für alle Unternehmensinvestitionen. Konsens bei allen 12 Ökonomen. Kein ideologischer Streit nötig.
3. Sozialabgaben-Moratorium. Beitragssätze einfrieren, bis eine Reformkommission langfristige Lösungen erarbeitet hat. (Hüther, IW Köln)
4. Genehmigungsverfahren halbieren. Planungsbeschleunigung nicht nur ankündigen, sondern umsetzen. Digitale Genehmigungsverfahren bundesweit einführen.
Mittelfristig (2026-2028)
5. Steuersystem modernisieren. Arbeit entlasten, Vermögen fair beteiligen, Unternehmenssteuern wettbewerbsfähig machen. Nicht links ODER rechts – sondern beides als Paket. Die OECD empfiehlt genau das.
6. Europäischer VC-Dachfonds + steuerliche VC-Anreize. Kapital in Deutschland halten, Scale-ups nicht an die USA verlieren. Kapitalmarktunion vorantreiben.
7. Digitale Verwaltung als Pflicht, nicht als Option. Jeder Behördengang digital. Unternehmensgründung in 24 Stunden. Estland hat es vorgemacht – mit einem Bruchteil unserer Ressourcen.
8. Glasfaserausbau auf 80 Prozent bis 2030. Kein Verhandlungsgegenstand, sondern Infrastrukturpflicht.
Langfristig (bis 2030)
9. Rente zukunftsfähig machen. Kapitalgedeckte Komponente nach schwedischem Modell (öffentlich verwaltet, kein Riester 2.0), Regelaltersgrenze flexibel an Beitragsjahre koppeln, Erwerbsbeteiligung erhöhen.
10. Europäische Industriepolitik statt nationaler Alleingänge. Draghi hat recht: „Wo Europa gebündelt agiert – Handel, Wettbewerb, Binnenmarkt – wird es als Macht respektiert. Wo es das nicht tut – Verteidigung, Industriepolitik, Außenpolitik – wird es als lose Versammlung mittelgroßer Staaten behandelt.“
Ein Gesellschaftsvertrag, kein Kompromiss
Ich bin Unternehmer. Ich will niedrige Unternehmenssteuern, weniger Bürokratie, einen starken Tech-Standort. Ich will auch, dass meine Mitarbeiter sich eine Wohnung leisten können, dass das Gesundheitssystem funktioniert und dass die Rente sicher ist. Das ist kein Widerspruch – das ist Standortpolitik.
Die „Viererbande“ der Ökonomen hat bewiesen, dass lagerübergreifender Konsens möglich ist. Fuest (konservativ) und Südekum (keynesianisch) haben sich auf ein 500-Milliarden-Paket geeinigt. Wenn die es können, kann es die Politik auch.
Aber dafür muss die Regierung aufhören, mit Symbolpolitik zu regieren – 86 Millionen Euro Bürgergeld-Einsparung (prognostiziert für 2026), Solarförderung streichen, Aufschwungsjahr versprechen und Kipppunkt liefern.
Die Diagnose steht. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Von links und rechts. Die Frage ist nur: Wann fängt diese Regierung an zu liefern?
Transparenz: Dieser Essay basiert auf öffentlich zugänglichen Positionen von: Sachverständigenrat (Schnitzer, Grimm, Werding, Malmendier, Truger), Marcel Fratzscher (DIW), Clemens Fuest (ifo), Michael Hüther (IW Köln), Sebastian Dullien (IMK), Jens Südekum, Moritz Schularick (IfW), Lars Feld, Dalia Marin, Isabella Weber, Mario Draghi (EU-Kommission), OECD und IWF. Die politische Einordnung der Ökonomen basiert auf der institutionellen Zugehörigkeit, Finanzierungsstruktur und öffentlichen Positionierung. Wörtliche Zitate sind als solche gekennzeichnet; sinngemäße Wiedergaben sind entsprechend markiert.
Quellen
Sachverständigenrat Jahresgutachten 2024/25: sachverstaendigenrat-wirtschaft.de DIW Konjunkturprognose: diw.de ifo Standpunkte 2025: ifo.de IMK Report Nr. 199 (Januar 2026): boeckler.de Südekum BMF-Gastbeitrag 12/2024: bundesfinanzministerium.de Draghi-Report 09/2024: ec.europa.eu/topics/competitiveness/draghi-report Schularick IfW: kielinstitut.de Fratzscher Schuldenbremsenreform: diw.de/diw_aktuell_103.pdf Weber Capital-Interview: capital.de Marin TU München/Handelsblatt: handelsblatt.com EFI-Gutachten 2026: e-fi.de BVMW Brandbrief (05.02.2026): bvmw.de IW-Konjunkturumfrage Herbst 2025: iwkoeln.de Wirtschaftsverbände-Gipfel München (06.03.2026): zdfheute.de, stern.de, deutschlandfunk.de Bruegel: Draghi on a Shoestring: bruegel.org OECD Economic Survey Germany: oecd.org